Fach-Informationen zu Obstbaumschnitt, häufigen Fragen, Obstbäumen für Marktgärtnerei, Direktvermarkter etc.
1. Obstbaumschnitt Zum Thema Obstbaumschnitt habe ich hier ein paar Informationen zusammengestellt und empfehle den Besuch eines Schnittkurses und das Lesen von Fachliteratur.
Der Schnitt hat je nach Alter und Zustand des Baumes verschiedene Zwecke.
Schneidet man gar nicht, kommt der Baum zwar schneller in den Ertrag, jedoch bildet sich in den meisten Fällen eine dichte, ungeordnete Krone, die schlecht zu beernten ist etc.. Bei viel abgetragenem Fruchtholz bei älteren Bäumen regt ein Verjüngungsschnitt das Wachstum neu an, fördert die Fruchtbarkeit und verlängert die Lebensdauer des Baumes.
Außerdem wachsen in einer dichten Krone wegen Lichtmangel Früchte schlechterer Qualität, und da eine dichte Krone nach einem Regen langsamer abtrocknet, steigt die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten.
Pflanzschnitt
Der Baum hat beim Ausgraben in der Baumschule viel Wurzelmasse verloren. Um dies auszugleichen, erfolgt ein Rückschnitt. Das Anwachsen wir dadurch erleichtert. Ohne Pflanzschnitt kann es passieren, daß der Baum mehrere Jahre vor sich hin vegetiert und nur wenige Zentimeter wächst. Zusätzlich ist regelmäßiges Gießen besonders im ersten Frühjahr und ersten Sommer wichtig.Erziehungsschnitt
Der Baum wird zur gewünschten Kronenform erzogen, z.B. Spindel, Rundkrone etc..Erhaltungsschnitt
Ist die Krone ausgewachsen und der Baum im Ertrag, wird ein Gleichgewicht zwischen Triebwachstum und Fruchten wichtig. Der Ertrag schwächt das Wachstum, das dann durch den Schnitt wieder angeregt wird. Abgetragenes Fruchtholz wird entfernt.Verjüngungsschnitt
Bäume, die viel getragen haben und schon länger nicht mehr geschnitten wurden, weisen meistens nur noch überaltertes Fruchtholz auf und zeigen kein neues Triebwachstum. Der Ertrag verringert sich im Laufe der Zeit und die Früchte werden kleiner und weniger. Dann ist ein kräftiger Rückschnitt nötig.Hier gibt es eine kleine Baumschnitt-Kurzanleitung für den Jungbaum mit Abbildungen zum Herunterladen: Anleitung Obstbaumschnitt
2. Foto-Galerie Schnitt und Schnittfehler
Damit Sie lange Freude an Ihrem Obstbaum haben, habe ich hier einige Fotos dazu zusammengestellt. Zuerst ein fachgerechter Obstbaumschnitt, danach ungünstige Schnitt-Methoden.
Nicht fachgerechter Schnitt (alle folgenden Bilder): Im oberen Kronenbereich wurden viele Äste/Triebe angeschnitten, was an vielen Stellen zu starkem Austrieb und Verzweigung geführt hat. Dadurch wird die Krone im oberen Bereich immer dichter, was die unteren Bereiche benachteiligt (weniger Licht). Im oberen Bereich sollte vorallem ausgelichtet werden, und ansonsten nur der Mitteltrieb und die Leitäste angeschnitten werden. Vielleicht war die Idee zu diesem Schnitt eine Reduzierung der Baumhöhe. Auf diese Art wird aber gerade im oberen Bereich das Wachstum stark angeregt.
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3. Bodenpflege Der Boden um den Stamm herum (ca. 1 m Durchmesser, sogenannte Baumscheibe) sollte frei von Bewuchs gehalten werden. Eine dichte Grasnarbe stellt eine starke Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe dar. Wenn das Gras bis an den Stamm hinwächst, kann es sein, daß der Baum deutlich langsamer wächst und man doppelt so lange wartet, bis man die ersten Früchte ernten kann. Bei schwach und mittelstark wachsenden Bäumen sollte der Boden während der gesamten Lebensdauer offen gehalten werden, bei Hochstämmen (auf Sämling veredelt) mindestens die ersten fünf Jahre, besser länger. Die Baumscheibe kann auch gut mit Rasenschnitt abgedeckt werden. Frischer Schnitt sollte nur dünn verteilt werden, da es sonst zu Schimmelbildung kommen kann. Getrockneter Schnitt kann auch dicker verteilt werden. Dies schützt den Boden vor Austrocknung und bildet beim Verrotten Humus und erhöht die Bodenfruchtbarkeit. Achtung: Wenn die Gefahr besteht, daß sich Mäuse ansiedeln könnten, die dann die Wurzeln anfressen, ist es sicherer, den Boden nicht abzudecken.
4. Häufige Fragen
Warum werden Obstbäume veredelt ?
Apfel- und Birnbäume brauchen zur Befruchtung den Pollen einer anderen Sorte, da sie nicht selbstfruchtbar sind. Dabei mischen sich die Gene der beiden Sorten neu zusammen. Wenn ich dann einen Kern säe, entsteht aus ihm ein Baum einer neuen Sorte, die andere Eigenschaften hat als der Mutterbaum, von dem ich die Samen genommen habe. Bei manchen Pflanzen (z.B. Johannisbeeren) kann ich im Winter einen Trieb abschneiden und in den Boden stecken, und er schlägt Wurzeln und bildet einen neuen Strauch. Das funktioniert bei Äpfeln und Birnen leider nicht. Daher muß ich ein Bäumchen nehmen, gärtnerisch Unterlage genannt, auf das ich meine gewünschte Sorte veredeln kann, so daß ein neuer Baum mit dieser Sorte entsteht. Das Veredeln hat auch noch den Vorteil, daß es unterschiedlich stark wachsende Unterlagen gibt, die von spezialisierten Baumschulen produziert werden. So kann ich mit der selben Sorte einen kleinbleibenden Baum erzeugen, oder einen sehr groß werdenden, je nachdem auf welche Unterlage ich veredelt habe. Daher sollte man beim Baumkauf immer wissen, worauf der Baum veredelt ist !Mein Baum trägt nicht, was kann ich da machen ?
Das kann verschiedene Gründe haben: Der Baum ist noch nicht alt genug, zu starker Schnitt, schlecht angewachsen durch mangelnde Pflege im ersten Standjahr (Trockenheit, Nährstoffmangel, Gras Bewuchs bin an den Stamm hin), Wühlmausschaden an den Wurzeln, mangelnde Bestäuber-Sorte in der Umgebung/weiteren Nachbarschaft...Wie lange dauert es, bis ich etwas ernten kann ?
Das hängt von der Sorte ab und der Unterlage, auf die der Baum veredelt ist. Auf schwachwachsender Unterlage kann es sein, daß ein zweijährig gekaufter Baum schon im zweiten Standjahr den ersten Apfel trägt und nach fünf bis sechs Jahren schon sehr gut trägt. Auf starkwachsender Unterlage (z.B. Sämling) kann es sein, daß es sieben bis zehn Jahre dauert, bis die ersten Früchte wachsen, je nach Sorte. Als besonders faul gilt z.B. der Gravensteiner, bei dem es auch 15 Jahre dauern kann (auf Sämling).Muß ich meinen Baum düngen ?
Manchmal hört man, daß die Düngung ein schlechtes Image hat. Dabei kommt es darauf an was man düngt und wieviel. Es handelt sich dabei schließlich um Nährstoffe, die auch auf natürliche Weise im Boden vorkommen, außer man verwendet chemisch-synthetisch hergestellten "Kunstdünger" (wir nicht). Jede Pflanze benötigt verschiedene Nährstoffe zum Wachsen. In der Natur fallen im Herbst die Blätter herab, verrotten im Laufe der Zeit, und geben Nährstoffe frei. Bodenorganismen sterben irgendwann ab, und verrotten ebenfalls. Bei Obstbäumen handelt es sich um Kulturpflanzen, die eine gewisse Menge an Nährstoffen benötigen. Man kann einen Apfelbaum nicht mit einer Fichte oder Buche vergleichen. Im Gegensatz zu Gemüse sind Obstbäume aber sehr genügsam, und verbrauchen nur ca. 30 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr, während ein Salatfeld der selben Größe schon mindestens 100 kg Stickstoff verbraucht oder Blaukraut bis zu 300 kg Stickstoff. Damit der frisch gepflanzte Baum einen guten Start gekommt, hilft ihm dabei sehr z.B. eine Schaufel voll alter Kompost, oder ein bis zwei Hand voll organischer Dünger. Meistens stehen die Bäume in einer Wiese, deren Gras gemäht und dessen Schnitt abtransportiert wird. Die Nährstoffe, die das Gras zum Wachsen aus dem Boden geholt hat, sind dann weg, außer der Schnitt kann liegen bleiben und an Ort und Stelle verrotten. Bei regelmäßiger Abfuhr der Mahd und fehlender Düngung kommt es im Laufe der Jahre zu einem beträchtlichen Nährstoffmangel. Dadurch sinkt der Ertrag, und der Baum wird durch die Unterernährung anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Wenn man z.B. einen organischen Dünger (besteht aus pflanzlichen und tierischen Stoffen) verwenden möchte, steht auf der Packung drauf, wieviel man ungefähr geben sollte (jedes Jahr). Bei Kompost kann man ungefähr einen Liter pro m² im Jahr ausbringen, und zwar auf die Baumscheibe, unter der Krone und ein Stück darüber hinaus. Bester Zeitpunkt ist das frühe Frühjahr. Nach Juli sollte man nicht mehr düngen, da dann die Holzausreife verzögert und der Baum dadurch im Winter Frostschäden bekommen kann. Im Zweifel kann man eine Bodenprobe ziehen und von einem Labor analysieren lassen. Zuviel Düngen ist genauso schlecht wie Nährstoffmangel, und kann zu erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge führen, sowie zu verminderter Frosthärte. Reifer Kompost besitzt meiner Meinung nach die besten Eigenschaften, da er am stärksten den Humusgehalt des Bodens und damit die Bodenfruchtbarkeit erhöht, und nachweislich die Pflanzengesundheit fördert.Wie tief soll ich den Baum pflanzen?
Die obersten Wurzeln sollten ca. 1 cm dick mit Erde bedeckt sein. Zu tiefes Pflanzen wird einerseits nicht so gut vertragen, und andererseits kann der Baum dann evtl. oberhalb der Veredelungsstelle Wurzeln schlagen, so daß der Einfluß der Unterlage wegfällt, besonders bei schwach und mittelsstark wachsenden. Ein auf schwachwachsender Unterlage veredelter Baum kann dann plötzlich viel größer werden als erwartet.5. Unterschiede Alte Sorten - Neue Sorten
Sind Alte Sorten besser als Neue Sorten? Und was sind eigentlich genau Alte Sorten?
Es gibt keine feste Definition, aber oft werden Sorten, die älter als ca. 100 Jahre sind, also vor 1920-1930 entstanden sind, zu den alten Sorten gezählt. Beim Apfel gibt es noch gravierendere Unterschiede, nämlich im Bereich der genetischen Bandbreite/Biodiversität. Laut einer Recherche des Pomologen Hans-Joachim Bannier sind in der kommerziellen Züchtung (weitgehend für den Erwerbsobstbau) ab den 1930er Jahren vorallem sechs Sorten bis heute immer wieder verwendet und teils mehrfach eingekreuzt worden: Golden Delicious, Jonathan, McIntosh, James Grieve, Cox Orange und Red Delicious. Dadurch entstand eine immer größer werdende Inzucht bzw. genetische Verengung. Darüber hinaus sind diese Ursprungssorten der modernen Züchtung stark für verschiedene Krankheiten anfällig. Bei dem alten Sorten hingegen herrscht eine riesige Biodiversität, sie sind wenig mit einander verwandt, und europaweit befinden sich noch viele Tausend verschiedener alter Apfelsorten in den Gärten und in der Landschaft. Sie unterscheiden sich stark im Geschmack, in der Fruchtform, der Farbe, der Lagermöglichkeit, der Verwendungsmöglichkeit, der Anpassung an verschiedene Standorte, der Widerstandsfähigkeit etc.. Die Züchtung bzw. der Anbau der neuen Sorten aus oben beschriebenen Ausgangssorten wurde erst möglich, nachdem die chemischen Pflanzenschutzmittel auf den Markt gekommen waren. Nur mit diesen konnten makellose Früchte für den Handel trotz mangelnder Widerstandsfähigkeit produziert werden. Davor war man darauf angewiesen, robuste Sorten zu pflanzen. Die große Vielfalt der alten Sorten ist meiner Meinung nach einfach spannend und eine Bereicherung nach dem Motto "Je mehr Vielfalt desto besser". Eine Monokultur verhält sich als Anbausystem am anfälligsten, während die größtmögliche Biodiversität sich am widerstandsfähigsten verhält. Die Erhaltung der alten Sorten ist daher nicht nur eine schöne Sache, sondern kann auch als Grundlage für die Züchtung neuer Sorten dienen. Es werden immer mehr neue Schädlinge eingeschleppt, und auch bei uns schon verbreitete Schädlinge mutieren manchmal auf natürliche Weise. Je mehr genetisch verschiedene Sorten noch vorhanden sind, desto eher findet man auch solche, die dagegen widerstandsfähig sind, auch bzgl. Klimawandel, und mit denen dann weitergezüchtet werden kann. Vor mehreren Jahrzehnten kamen die kommerziellen Züchter doch noch auf die Idee, beim Apfel auch mal etwas für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schorf zu unternehmen. Dazu wurde ein resistenter Wildapfel (Malus floribunda) eingekreuzt. Dessen Widerstandsfähigkeit beruhte allerdings nur auf einem einzelnen Gen, und wurde nach einigen Jahren durchbrochen (z.B. Topaz, Re-Sorten, Pi-Sorten). Bei resistenten alten Sorten beruht diese Widerstandsfähigkeit meist auf vielen Genen und ist daher stabiler. Natürlich ist die Züchtung neuer Sorten genauso wichtig und spannend. Es kommt eben auf das Züchtungsziel an, ob auf Robustheit besonderer Wert gelegt wird oder nur auf hohen Ertrag, gleichförmiges Aussehen etc.. Daß weitere wichtige Krankheiten wie z.B. Marssonina (vorzeitiger Blattfall), Regenflecken (schmutziger Belag auf den Früchten) bei der kommerziellen Züchtung berücksichtigt werden, ist mir nicht bekannt (vielleicht bei ein paar wenigen Bio-Züchtern). Wenn eine alte Sorte schon seit 200 Jahren Resistenzen gegen Schorf aufweist, halte ich es für unwahrscheinlich, daß diese demnächst durchbrochen wird. Bei Neuzüchtungen weiß man es oft nicht sicher, da sie noch nicht so lange erprobt werden konnten. Dies wird sich dann in der Zukunft zeigen.
Geschmack: Darüber lässt sich bekanntlich streiten: Gängige Vorurteile: Die alten Apfelsorten sind sauer und schnell mehlig, oder: Die neuen Sorten sind zwar knackig aber schmecken wäßrig bzw. nach nichts. Bei den alten Sorten gibt es alle verschiedenen Geschmacksrichtungen und weiches, mittelfestes oder festes Fruchtfleisch. Bei neuen Sorten wird bei der Züchtung meist viel Wert auf festes Fruchtfleisch gelegt, aber da sie genetisch sehr eng verwandt sind, schmecken sie oft auch sehr ähnlich. Bei unseren Sortenverkostungen schneiden die alten Apfelsorten jedenfalls keineswegs schlechter ab als die neuen Sorten. Und für Apfel Allergiker sind die meisten alten Sorten besser verträglich, siehe Studie des BUND Lemgo.
Wie sind die alten Sorten eigentlich entstanden?
Wenn man ganz von vorne anfängt: Laut genetischen Analysen stammen z.B. unsere Apfelsorten ursprünglich aus Kasachstan und kamen über die Seidenstraße nach Süd-/Osteuropa und wurden dann weiterverbreitet.
In früheren Jahrhunderten, als noch keine gezielte Züchtung betrieben wurde, suchte man sich z.B. sogenannte Zufallssämlinge. Wenn man am Wegesrand einen Baum fand, der aus einem weggeworfenen Apfelbutzen (oder andere Arten) entstanden war und gute Fruchtqualität und Widerstandsfähigkeit besaß, holte man sich einen Trieb und veredelte ihn bei sich im Garten. Später wurden dann gezielter vorgegangen, und es wurden von guten Sorten Kerne gesät (Vatersorte unbekannt, durch Insekten bestäubt), und die dabei entstandenen Sorten, die sich als gut erwiesen, weiterkultiviert. Im Laufe der Jahrhunderte beschäftigten sich immer mehr interessierte Leute mit der Obstzucht, z.B. Adelige, einige Pfarrer, gehobenes Bürgertum, Ärzte und gingen dazu über, gezielt zu züchten, indem auch die Vatersorte ausgewählt wurde und mit dessen Pollen die Muttersorte bestäubt wurde. Obwohl es früher keine schnelle Post gab und kein Internet, tauschten die Obstbegeisterten länderübergreifend Sorten aus, was zu einer hohen genetischen Vielfalt führte. Damals ging es noch nicht um die Erschaffung der besten supermarkttauglichen Weltmarktsorte.
Video zum Thema Alte Sorten - Neue Sorten
6. Infos zu Obstbaumpflanzungen für Marktgärtnerei, Market Gardening, Agroforst, Solawi, Direktvermarkter etc.
Für diejenigen, die sich gerne zur Direktvermarktung ein paar Baumreihen pflanzen möchten, habe ich hier Infos zur Sortenwahl, Wahl der passenden Baumform, und was man sonst noch wissen sollte, zusammengestellt. Wer noch weitere Informationen braucht, kann mich gerne kontaktieren.
Baumformen
Die verschiedenen Baumformen besitzen unterschiedliche Eigenschaften, die ich hier kurz vorstellen möchte.Egal ob Hochstamm oder Spindelbusch, jede Baumform hat ihre Berechtigung, je nachdem, wie sie zum Betrieb passt. Manchmal hört man, daß kleine Bäume, wie man sie in den typischen Erwerbsobstanlagen sieht, nicht für Bio Anbau geeignet wären und anfällig seien. Das stimmt nicht, sondern dies hängt alleine von den gepflanzten Sorten ab, ob sie robust sind oder nicht. Die folgende Tabelle zeigt ungefähre Daten, die je nach Sorte und Standort abweichen können. Die Angabe Lebensdauer bedeutet nicht, daß der Baum danach direkt abstirbt, sondern daß der Ertrag und das Wachstum dann langsam weniger werden.
| Baumform | Breite in m | Höhe in m | Höhe Stamm | Vollertrag ab Jahr | Lebensdauer ca. Jahre |
| Hochstamm auf stark wachsender Unterlage | 9 bis 12 | 6 bis 8 | 1,8 | ca. 10 | 50 bis 100 |
| Halbstamm auf stark wachsender Unterlage | 9 bis 12 | 5,5 bis 7,5 | 1,0 bis 1,2 | ca. 10 | 50 bis 100 |
| Halbstamm auf mittelstark wachsender Unterlage | 3 bis 5 | 3 bis 4,5 | 1,0 bis 1,2 | ca. 7 | 30 bis 40 |
| Busch auf mittelstark wachsender Unterlage | 3 bis 5 | 3 bis 4 | 0,5 | ca. 7 | 30 bis 40 |
| Spindelbusch auf schwach wachsender Unterlage | 1,5 bis 2,5 | 2,5 bis 3 | 0,5 | ca. 5 | 18 bis 25 |
| Schlanke Spindel auf schwach wachsender Unterlage | 0,5 bis 1,0 | 2 bis 2,5 | 0,5 | ca. 5 | 18 bis 20 |
Die spätere Kronengröße eines Baums hängt direkt von der Sorte selber und von der Unterlage ("unedles Bäumchen", Wildling) ab, auf die der Baum veredelt wurde. Siehe auch Kapitel Veredeln.
Bei Hochstämmen hat man den Vorteil der Langlebigkeit, und muß nur in den ersten 5 bis 7 Jahren die Baumscheibe frei von Bewuchs halten. Bei der Ernte und beim Baumschnitt dauert es etwas länger, da alle Arbeiten von der Leiter aus geschehen (oder Klettern). Als Baumreihe gepflanzt bieten sie auch Windschutz und lassen sich gut in Agroforstsysteme integrieren.
Spindelbüsche und Schlanke Spindeln kommen am schnellsten in den Ertrag und man kommt zum großen Teil ohne Leiter aus. Allerdings sind sie nicht so langlebig und benötigen dauerhaft Pfähle oder Unterstützungssysteme aus Pfählen und Spanndrähten. Außerdem muss während der gesamten Lebensdauer die Baumscheibe oder der Pflanzstreifen (bei dichter Reihenpflanzung) frei von Bewuchs gehalten werden, z.B. mechanisch mit Geräten oder durch Abdecken mit Mulchmaterial.
Büsche und Halbstämme auf mittelstarkwachsender Unterlage bilden einen Mittelweg zwischen den beiden oben genannten Baumformen. Sie können auch als Längskrone/Palmette erzogen werden, wenn man eine schlanke Baumreihe haben möchte.
Nicht fachgerechter Schnitt (alle folgenden Bilder): Im oberen Kronenbereich wurden viele Äste/Triebe angeschnitten, was an vielen Stellen zu starkem Austrieb und Verzweigung geführt hat. Dadurch wird die Krone im oberen Bereich immer dichter, was die unteren Bereiche benachteiligt (weniger Licht). Im oberen Bereich sollte vorallem ausgelichtet werden, und ansonsten nur der Mitteltrieb und die Leitäste angeschnitten werden. Vielleicht war die Idee zu diesem Schnitt eine Reduzierung der Baumhöhe. Auf diese Art wird aber gerade im oberen Bereich das Wachstum stark angeregt.